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BeitragVerfasst: Do 17. Jun 2010, 22:42 
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Registriert: Fr 6. Nov 2009, 00:26
Beiträge: 5
Huhu,

ich habe ein sehr praktische Herausforderung, die vermutlich vielen bekannt vorkommt: Lernen.
Für mein Studium habe ich soviel zu lernen, dass ich eigentlich jeden Tag 8 Stunden lang etwas tun müsste, um alles richtig ordentlich verarbeiten zu können. An sich interessiert mich das meiste davon und ich war auch prinzipiell eher wohlwollend gegenüber dem Lernen eingestellt; bei der Menge zehrt es aber an den Kräften, laugt aus und sorgt für jede Menge Leiden, wenn man das ganze immer mehr als "Bürde" empfindet. Ich hab zwar versucht, mit täglicher Beobachtung meine Einstellung zu ändern. (und zwar, in dem ich mir als Mantra "Wissen ist schön" wachgerufen habe, ähnlich wie Liebende Güte Meditationen, die die Werte auf die man den Geist richtet, ja auch stärken.)

Aber das hat nicht so ganz geklappt. Vielleicht weil die Dissonanz zwischen der Einstellung und der Empfindung dadurch einfach nur viel größer wird (und damit auch schnell ne große Lücke zwischen dem Lieben und dem Ungeliebtem entsteht.)

Hat der Buddha Anweisungen gegeben, wie man die Einstellung zu einem bestimmten Objekt gezielt ändern kann? Meditation auf den Atem scheint mir auch nicht meine Tatkraft, diese Dinge anzupacken, zu befeuern. Mit der Einstellung "loslassen" zu müssen scheint mir auch nicht geholfen, denn dadurch lerne ich auch nicht mehr. (Sondern habe höchstens weniger Probleme damit, nichts zu tun.)

Irgendwelche Ratschläge oder eigene Erfahrungen? Ich wäre euch sehr dankbar.

Saddhu!
(Ap)pamada


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BeitragVerfasst: Sa 19. Jun 2010, 20:01 
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Registriert: Do 1. Apr 2010, 13:41
Beiträge: 26
Wohnort: Oberhausen / Ruhrgebiet
Hallo Appamada,

Zitat:
bei der Menge zehrt es aber an den Kräften, laugt aus und sorgt für jede Menge Leiden


Wir sind heute in der glücklichen Lage die Worte des Erwachten von 40 Jahren in Buchform auf den Tisch zu legen. Das ist eine gewaltige Masse. Da sind kleine Schritte und systematisches Vorgehen angesagt. Es geht ja nicht darum alle Lehrreden zu kennen sondern um das was dahinter steht.

Ich stand auch mal vor so einem ähnlichen Wust, wusste nicht woran ich mich orientieren könnte. Durch "Zufall" wurde im DBU Forum ein Buch erwähnt welches alle Lehrreden an Hausleute neu übersetzt und erleutert enthielt : "Der Buddha sprach nicht nur für Mönsche und Nonnen" von Fritz Schäfer.
Das war meine "Rettung"! Da lag nun dieses Buch mit über 800 kleingedruckten Seiten vor mir ... - eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt, die erste Reise durch dieses Buch dauerte 5 Jahre, vielleicht die wichtigsten in meinem Leben. Auf dieser Reise habe ich das Buddhistische Seminar in Bindlach mit den Büchern von Paul Debes kennen gelernt, den Hamburger und Berliner Freundeskreis der sich zweimal im Jahr in Roseburg trifft, hervorragende Lehrer wie Alfred Weil und Bhante Vimalaramsi, und viele neue Freunde hier und in anderen Ländern.
Daher meine Empfehlung: kleine Schritte gehen und systematisch vorgehen. Ich würde dir das oben erwähnte Buch empfehlen und es Kapitel für Kapitel durcharbeiten, wichtiges in ein seperates Buch herausschreiben und immer wieder wiederholen und verinnerlichen. So habe ich 4 kleine Kladden vollgeschrieben die mir heute als wertvolle Hilfe in nahezu allen Lebenslagen zur Verfügung stehen. Die wichtigste Erkenntniss die ich daraus gewonnen habe ist : soweit wie ich erkennen kann ist alles wahr !

Viel Erfolg und liebe Grüße

Norbert

_________________
Die Sinnlichkeitsebene ist weniger ein Kampfplatz gegen Sinnlichkeit sondern ein Kampfplatz für Tugend.


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 Betreff des Beitrags: Re: Einstellungen ändern
BeitragVerfasst: Sa 19. Jun 2010, 22:57 
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Registriert: Fr 6. Nov 2009, 00:26
Beiträge: 5
Huhu,

Ich bitte um Verzeihung dafür, dass ich mich da nicht so klar ausgedrückt habe und es zum Missverständnis kam: Es geht mehr um mein Universitätsstudium, dass sich nicht mit dem Dhamma beschäftigt.
Was ich mit der Menge meine: 3 englisch-sprachige Bücher im Gesamtumfang von ca. 1500 Seiten als Prüfungsliteratur, dazu noch meist ca. 50 Folien pro Vorlesungssitzung (mal 12 Sitzungen pro Vorlesung) und man kommt gut und gerne auf zusätzlich 600 Folien pro Vorlesung, macht etwa bei 5 Vorlesungen 3000 Folien als prüfungsrelevant (plus eben 1500 Buchseiten auf Englisch)

Abkürzungen oder "zusammenfassende" Literatur hilft kaum, da man Detailwissen braucht. Der Buddha wusste ja auch, dass die Laien ihre weltlichen Pflichten haben, die einem sicher auch teils unlieb sein können. Hat er denn etwas dazugesagt, wie man seine Einstellung zu diesen Objekten gezielt ändern kann, wenn man um sie weiß?
Eine Distanz durch Loslassen zu schaffen halte ich nicht für sinnvoll, weil ich dann doch eher weniger Antrieb habe, das anzupacken als mehr. Aber dass kann auch gut einfach eine Illusion meines Geistes sein.

Vielleicht ist es ein bisschen damit zu vergleichen, wie wenn man meditiert: Einerseits tut man das freiwillig, andererseits sollte man das ausgiebig (d.h.: Im stehen, gehen, sitzen und liegen.) und oft pflegen. Nur ist es beim Lernen so, dass man bei beschriebener Menge wenig positive Rückmeldung erhält, dass man auf dem Weg bleiben soll.

Ich fand diesen Punkt immer schon schwer verständlich und es erinnert mich an eine Frage an Ajahn Chah:
"So you have to let go without striving to let go?" (also, ein Ziel erreichen ohne es anzustreben)
"That's right. You more should let go without desire." (Also sein Ziel erreichen ohne es erreichen zu wollen)
(Quelle vom Gespräch mit Ajahn Chah: http://www.youtube.com/watch?v=961Mq_1O ... re=related )

Wie ist das umzusetzen? Ich merke wohl und weiß auch, dass es einen blockiert wenn man zu sehr "will", aber wie tut man etwas, ohne vorher die Absicht zu entwickeln, es zu tun?
Ich seh mich dem Dilemma gegenüber, dass einerseits das Lernen wollen blockiert, andererseits auch das nicht-wollen dazu führt, dass ich nicht mehr mache.

Auf einer übergeordneten Ebene also eher: Wie erreicht man etwas? Wenn Begehren nicht weiterhilft, und man ohne Absicht auch nicht weiterkommt, was dann?

Ich danke für erhellende Worte
Saddhu!


PS: "Der Buddha sprach nicht nur für Mönsche und Nonnen" schreib ich mir mal auf die Liste für den nächsten Bücherkauf, danke für den Tipp Norbert!


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BeitragVerfasst: So 20. Jun 2010, 10:11 
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Registriert: Fr 23. Okt 2009, 12:13
Beiträge: 47
Grüß dich Appamada,

mir fallen in Kürze nur zwei Dinge ein. Erstens denke ich solltest du deine Absichten nochmals bedenken. Ich nehme an du willst in deinem Studium gut sein und einen guten Abschluss erzielen. Aus deinem Verlangen nach dem Ziel sollte die Motivation kommen auch kleinere oder größere Hürden bzw. Anstrengungen zu überwinden. Die nötige Tatkraft musst du aus dir selbst gewinnen indem du weise erkennst wofür du dich anstrengen solltest. Sowohl im Dhamma als auch in der Welt entstehen die Dinge in Abhängigkeit. Einfach gesagt:

"Von Nichts kommt Nichts!"

Wenn du gut in deinem Studium sein möchtest, du die nötigen Bedinungen dafür aber nicht akzeptierst, schaffst du dir zwangsläufig Leiden. Auf der einen Seite, wenn du einfach nichts dafür tust, weil du die Bedingungen nicht akzeptierst, wirst du dein Wunschziel (gutes Studium) nicht erreichen. Du wirst also von Begehrtem getrennt sein und dadurch Leiden. Oder auf der anderen Seite, wenn du die Bedingungen widerwillig annimmst, wirst du ebenso Leiden, da du mit Unliebem vereint bist.

Wenn du die ganze Situation und deine Absichten nochmals eingehend bedenkst musst du zu einem Entschluss kommen. Im Idealfall kommst du zu einer Einsicht die im Einklang mit Ursachen und deren Wirkungen ist. In diesem Fall werden sich deine Probleme dann von ganz alleine auflösen.

Das zweite was mir einfällt ist ein Zitat von Ajahn Dune Atulo aus dem Buch "Gifts He Left Behind". Ich nehme an dein Englisch ist gut genug um es zu verstehen, deshalb übersetze ich es nicht.

Zitat:
"I want to do well in my studies..."

A young girl once said to Luang Pu, "I heard Grandfather Sorasak Kawngsuk say that anyone who wants to be intelligent and do well in her studies should first practice sitting in meditation to get the mind concentrated in stillness. I want to be intelligent and do well in my studies, so I've been trying to meditate and bring my mind to stillness, but it's never been willing to grow still. Sometimes I get even more restless than before. When my mind doesn't grow still in this way, how can I do well in my studies?"

Luang Pu answered,

"Simply focus on knowing what it is that you're studying, and that in itself will help you do well in your studies. When the mind's not still, have it know that it's not still. It's because you want so much for it to be still that it's not still. Just keep at your meditation in a calm way, and the day will come it'll grow still in line with your wishes."


Sich für etwas zu bemühen oder anzustrengen ist immer mühsam bzw. anstrengend. Man leidet nur darunter, wenn man etwas haben möchte das mühsam zu erreichen ist und man sich wünscht es ohne Bemühungen zu erreichen. So funktioniert die Welt einfach nicht.

Ich hoffe es ist etwas hilfreiches für dich dabei...

mit besten Wünschen, acinteyyo

_________________
Pubbe cāhaṃ bhikkhave, etarahi ca dukkhañceva paññāpemi, dukkhassa ca nirodhaṃ. (M.22)
Both formerly, monks, and now, it is just suffering that I make known and the ending of suffering.


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