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 Betreff des Beitrags: Übersetzungsarbeit von K. E. Neumann
BeitragVerfasst: Mi 16. Dez 2009, 09:45 
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Zitat:
"Karl Eugen Neumann wird mit Ehrfucht genannt werden, sobald erkannt ist, was seine Übertragungen der heiligen Schriften des Buddhismus für die deutsche Sprache in einem Augenblick welthistorischer Krisis -- die nicht Geisteskrisis wäre, wenn sie nicht auch Sprachkrisis wäre -- bedeutet." Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)



Frage hierzu vom Germanisten und Goethe-Forscher Krisdi Chairatana aus Thailand:

"Ist seine Übersetzung inhaltlich richtig oder wird sie, wie auch bei anderen Indologen seiner Zeit, von der eurozentrischen Weltanschauung kontaminiert?"

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 Betreff des Beitrags: Re: Übersetzungsarbeit von K. E. Neumann
BeitragVerfasst: Mi 16. Dez 2009, 22:37 
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Thitadhammo hat geschrieben:
Zitat:
"Karl Eugen Neumann wird mit Ehrfucht genannt werden, sobald erkannt ist, was seine Übertragungen der heiligen Schriften des Buddhismus für die deutsche Sprache in einem Augenblick welthistorischer Krisis -- die nicht Geisteskrisis wäre, wenn sie nicht auch Sprachkrisis wäre -- bedeutet." Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)



Frage hierzu vom Germanisten und Goethe-Forscher Krisdi Chairatana aus Thailand:

"Ist seine Übersetzung inhaltlich richtig oder wird sie, wie auch bei anderen Indologen seiner Zeit, von der eurozentrischen Weltanschauung kontaminiert?"


Dazu kann ich persönlich nichts sagen, doch es erinnert mich an das Vorwort aus Nyanatiloka's Buddhistischem Wörterbuch in dem über K.E.N. folgendes steht:
Zitat:
Viele der fraglichen Übersetzungen wichtiger Termini müssen als verfehlt, z.T. als geradezu irreführend, zumindest aber als zweideutig betrachtet werden. Am schlimmsten steht es hierbei mit den Übersetzungen von K.E. Neumann, der z.B.

sati (Achtsamkeit) mit ‘Einsicht' und ‘Vernunft' wiedergibt;
samādhi (Sammlung) mit ‘Innigkeit';
udhacca (Aufgeregtheit, geistige Unruhe) mit ‘Stolz';
dhātu (Element) mit ‘Art' und ‘Artung';
sankhāra (Formationen, Gebilde: Geistesformationen, Karmaformationen; s. sankhāra) mit ‘Unterscheidungen' und ‘Sonderheiten';
rūpûpādāna-khandha usw. (die Anhaftungsgruppe Körperlichkeit usw., d.h. die das Objekt des Anhaftens bildende Gruppe der Körperlichkeit usw.) mit ‘das Stück Anhangen an Form usw.';
nāma-rūpa (das Geistige und Körperliche) mit ‘Bild und Begriff';
jhāna (Vertiefung, Selbstversenkung) mit ‘Schauung';
cetanā (Willen, bisweilen Willensbetätigung, Karma) mit ‘Denken';
mano-sañcetanā (geistiger Wille, geistiges Karma) mit ‘geistiges Innewerden';
āsava (Strömungen, Einströmungen; Triebe) mit ‘Wahn';
pīti (Interesse, Begeisterung, Verzückung) mit ‘Heiterkeit';
atta-vāda (Persönlichkeitslehre) mit ‘Selbstbehauptung';
bojjhanga (Erleuchtungsglied) mit ‘Erweckung';
sotāpatti (Strom-Eintritt) mit ‘Hörerschaft';
vibhava-tanhā (Selbstvernichtungs-Begehren) mit ‘Wohlseinsdurst';
phassa (sinnlicher oder geistiger Eindruck) mit ‘Berührung' usw. -

_________________
Pubbe cāhaṃ bhikkhave, etarahi ca dukkhañceva paññāpemi, dukkhassa ca nirodhaṃ. (M.22)
Both formerly, monks, and now, it is just suffering that I make known and the ending of suffering.


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 Betreff des Beitrags: Re: Übersetzungsarbeit von K. E. Neumann
BeitragVerfasst: Mi 23. Dez 2009, 14:23 
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Zitat:
"Ist seine Übersetzung inhaltlich richtig oder wird sie, wie auch bei anderen Indologen seiner Zeit, von der eurozentrischen Weltanschauung kontaminiert?"


Hierzu Bedarf es vielleicht der Klärung des Begriffes Eurozentrismus.
Dazu Wikipedia:

„Unter Eurozentrismus versteht man die Beurteilung außereuropäischer Kulturkreise nach europäischen (westlichen) Vorstellungen und auf der Grundlage der in Europa entwickelten Werte und Normen. Eurozentrismus ist somit eine Einstellung, die Europa unhinterfragt in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns rückt.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Eurozentrismus


Beschäftigt man sich mit dem Lebenslauf von K.E. Neumann wird man weniger zu dem Ergebnis kommen in seiner Person einen weiteren Indologen zu sehen, als vielmehr
jemanden, der aus tiefem Verstehen und Hingabe an den Übersetzungen gearbeitet hat.

So schreibt schreibt Karl Gjellerup 1899 in einer Ausgabe der Preußischen Jahrbücher (PB JB 1899 III, S. 253) über Neumann:

„ Er steht nicht mit der kühlen, ob auch wohlwollenden Wissenschaftlichkeit eines Oldenberg dem Buddhismus gegenüber....Neumann ist Buddhist.“


Edmund Husserl, der Begründer der Phänomenologie und Lehrer Heideggers, schrieb:
„Nachdem ich einmal angefangen, konnte ich davon gar nicht mehr los­kommen. Ein herrlicher Schatz! Neumanns Nachgestaltung ist unschätzbar für jeden, der an der ethischen, religiösen und philosophischen Erneuerung unserer Kultur interessiert ist. „
Quelle:
Dr. Hellmuth Hecker in DIE EINSICHT, Vierteljahreshefte für Buddhismus, 8. Jahrgang 1955, Heft 11/12,


Hermann Hesse:

"Schwierig aber heilsam ist es, dem Abendland die Ohren für die Stimme des alten Asien zu öffnen. Diese Stimme klingt nirgends so eindringlich, so geduldig, so altersreif und leidenschaftlich wie im Vedanta und den reden Buddhos. Sie sind die Bibel einer Gemeinde von vielen Millionen gewesen, tausendmal von mönchischen Lehrern gepredigt, Gegenstand der Andacht und der Meditation für Millionen Fromme. Erst in unserer Zeit ist die deutsche Übersetzung Neumanns erschienen, ein edles Werk der Liebe, der Geduld und Versenkung. Es ist gut, dass diese große Werk jetzt neu erscheint und vielen ein Stein des Anstoßes, vielen ein Licht und ein Weckruf werden soll."
[Waschzettel der Gesamtausgabe der Übersetzungen Neumanns, 1956-1957]

Quelle: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud0303.htm#11.4.

Neumann selbst in einem Brief an De Lorenzo 1897:

"Damals, nämlich 1884, ist mir eine Sonne aufgegangen, die auch dir, Theurer leuchtet: Schopenhauer. Ich wurde so innig ergriffen, dass ich mit meinem ganzen bisherigen Leben brach, innerlich brach. Die romantische Jugendschwärmerei zerschmolz wie Blei auf der Opferplatte. Ich griff zu indischen Übersetzungen, und obzwar bei Tag in der Bank [in Berlin] durch meinen Beruf völlig absorbiert, versenkte ich mich bei Nacht, oft bis 3 Uhr morgens und später, in philosophische Studien. Endlich brach ich auch von außen durch. Ich studierte wieder praktisch, trat aus der Bank aus, ins Obergymnasium [in Prag] ein, das ich nach zwei schönen Jahren absolvierte, und zog dann zur Universität, nach Berlin, im Sommer 1887. Zwei Jahre später, natürlich noch als »Student« hab' ich geheiratet."

in einem weiteren Brief an De Lorenzo 1899 über sein Bekanntwerden mit dem Buddhismus:

"Aus Spence Hardys Eastern Monachism habe ich im Frühling 1884 zum ersten Male den Buddhismus kennen gelernt, auf Schopenhauers Empfehlung hin."

Quelle: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud0303.htm#11.4.


Grundsätzlich ist es immer problematisch, einen Text oder auch nur Begriffe einer Sprache, die einen anderen kulturellen Hintergrund hat als die Muttersprache, zu übersetzen. So mag es sein, daß bei der wörtlichen Übersetzung eines Begriffes unterschiedliche Assoziationen entstehen, obgleich der Begriff korrekt übersetzt ist.

So kann man auch feststellen, daß es unterschiedliche Auffassungen zu der Form der Übersetzungen K. E. Neumanns gibt, jene, die seine Sprache mögen und jene, für die sich kein Zugang erschließt. Die Herangehensweisen und Vorlieben in der Beschäftigung mit den verschiedensten Themen sind so verschieden, wie die Menschen selbst, es könnte gar nicht anders sein. Siehe M. 31. (IV,1).

Im nachfolgenden Link findet sich ein sehr aufschlußreicher Artikel von Dr. Hellmuth Hecker, erschienen in „Die Einsicht“ 1955.


http://www.buddhavacana.de/mb/permalink ... d-KEN.html

Mit Metta

Karuna _/\_

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"Gefunden hab' ich's, nicht verfehlt - Kein übel Ding bedünkt es mich - Von allem was die Welt gewährt Hab' ich das Beste auserwählt."


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 Betreff des Beitrags: Re: Übersetzungsarbeit von K. E. Neumann
BeitragVerfasst: Sa 28. Aug 2010, 10:46 
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Beiträge: 12
Hallo,

acinteyyo

Zitat:
Viele der fraglichen Übersetzungen wichtiger Termini müssen als verfehlt, z.T. als geradezu irreführend, zumindest aber als zweideutig betrachtet werden. Am schlimmsten steht es hierbei mit den Übersetzungen von K.E. Neumann, der z.B.

sati (Achtsamkeit) mit ‘Einsicht' und ‘Vernunft' wiedergibt;
samādhi (Sammlung) mit ‘Innigkeit';
udhacca (Aufgeregtheit, geistige Unruhe) mit ‘Stolz';
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sankhāra (Formationen, Gebilde: Geistesformationen, Karmaformationen; s. sankhāra) mit ‘Unterscheidungen' und ‘Sonderheiten';
rūpûpādāna-khandha usw. (die Anhaftungsgruppe Körperlichkeit usw., d.h. die das Objekt des Anhaftens bildende Gruppe der Körperlichkeit usw.) mit ‘das Stück Anhangen an Form usw.';
nāma-rūpa (das Geistige und Körperliche) mit ‘Bild und Begriff';
jhāna (Vertiefung, Selbstversenkung) mit ‘Schauung';
cetanā (Willen, bisweilen Willensbetätigung, Karma) mit ‘Denken';
mano-sañcetanā (geistiger Wille, geistiges Karma) mit ‘geistiges Innewerden';
āsava (Strömungen, Einströmungen; Triebe) mit ‘Wahn';
pīti (Interesse, Begeisterung, Verzückung) mit ‘Heiterkeit';
atta-vāda (Persönlichkeitslehre) mit ‘Selbstbehauptung';
bojjhanga (Erleuchtungsglied) mit ‘Erweckung';
sotāpatti (Strom-Eintritt) mit ‘Hörerschaft';
vibhava-tanhā (Selbstvernichtungs-Begehren) mit ‘Wohlseinsdurst';
phassa (sinnlicher oder geistiger Eindruck) mit ‘Berührung' usw. -

Ich habe mir vor ein paar Jahren Die Mittlere Sammlung gekauft.Und fand/finde die Übersetzungen von K.E.Neumann Ideal zum meditativen lesen.Es hat mich nicht gestört,dass manche Ausdruckweise falsch/irreführend sein sollen.

Mit freundlichen Grüssen

Udo

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Was der Mensch häufig bedenkt und sinnt, dahin geneigt wird das Herz


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 Betreff des Beitrags: Re: Übersetzungsarbeit von K. E. Neumann
BeitragVerfasst: Sa 28. Aug 2010, 22:12 
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Registriert: So 25. Okt 2009, 17:06
Beiträge: 16
:Abseits vom Thema:

aytlas hat geschrieben:
Ich habe mir vor ein paar Jahren Die Mittlere Sammlung gekauft. Und fand/finde die Übersetzungen von K.E.Neumann Ideal zum meditativen lesen.


Hi Udo,

wenn Dir das gefällt, ist sehr das Chachakka Sutta zum kompletten laut vorlesen / rezitieren empfehlen.

Lieben Gruß,
:) Mirco

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