Zitat:
"Ist seine Übersetzung inhaltlich richtig oder wird sie, wie auch bei anderen Indologen seiner Zeit, von der eurozentrischen Weltanschauung kontaminiert?"
Hierzu Bedarf es vielleicht der Klärung des Begriffes Eurozentrismus.
Dazu Wikipedia:
„Unter Eurozentrismus versteht man die Beurteilung außereuropäischer Kulturkreise nach europäischen (westlichen) Vorstellungen und auf der Grundlage der in Europa entwickelten Werte und Normen. Eurozentrismus ist somit eine Einstellung, die Europa unhinterfragt in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns rückt.“
http://de.wikipedia.org/wiki/EurozentrismusBeschäftigt man sich mit dem Lebenslauf von K.E. Neumann wird man weniger zu dem Ergebnis kommen in seiner Person einen weiteren Indologen zu sehen, als vielmehr
jemanden, der aus tiefem Verstehen und Hingabe an den Übersetzungen gearbeitet hat.
So schreibt schreibt Karl Gjellerup 1899 in einer Ausgabe der Preußischen Jahrbücher (PB JB 1899 III, S. 253) über Neumann:
„ Er steht nicht mit der kühlen, ob auch wohlwollenden Wissenschaftlichkeit eines Oldenberg dem Buddhismus gegenüber....Neumann ist Buddhist.“
Edmund Husserl, der Begründer der Phänomenologie und Lehrer Heideggers, schrieb:
„Nachdem ich einmal angefangen, konnte ich davon gar nicht mehr loskommen. Ein herrlicher Schatz! Neumanns Nachgestaltung ist unschätzbar für jeden, der an der ethischen, religiösen und philosophischen Erneuerung unserer Kultur interessiert ist. „
Quelle:
Dr. Hellmuth Hecker in DIE EINSICHT, Vierteljahreshefte für Buddhismus, 8. Jahrgang 1955, Heft 11/12,
Hermann Hesse:
"Schwierig aber heilsam ist es, dem Abendland die Ohren für die Stimme des alten Asien zu öffnen. Diese Stimme klingt nirgends so eindringlich, so geduldig, so altersreif und leidenschaftlich wie im Vedanta und den reden Buddhos. Sie sind die Bibel einer Gemeinde von vielen Millionen gewesen, tausendmal von mönchischen Lehrern gepredigt, Gegenstand der Andacht und der Meditation für Millionen Fromme. Erst in unserer Zeit ist die deutsche Übersetzung Neumanns erschienen, ein edles Werk der Liebe, der Geduld und Versenkung. Es ist gut, dass diese große Werk jetzt neu erscheint und vielen ein Stein des Anstoßes, vielen ein Licht und ein Weckruf werden soll."
[Waschzettel der Gesamtausgabe der Übersetzungen Neumanns, 1956-1957]
Quelle:
http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud0303.htm#11.4.
Neumann selbst in einem Brief an De Lorenzo 1897:
"Damals, nämlich 1884, ist mir eine Sonne aufgegangen, die auch dir, Theurer leuchtet: Schopenhauer. Ich wurde so innig ergriffen, dass ich mit meinem ganzen bisherigen Leben brach, innerlich brach. Die romantische Jugendschwärmerei zerschmolz wie Blei auf der Opferplatte. Ich griff zu indischen Übersetzungen, und obzwar bei Tag in der Bank [in Berlin] durch meinen Beruf völlig absorbiert, versenkte ich mich bei Nacht, oft bis 3 Uhr morgens und später, in philosophische Studien. Endlich brach ich auch von außen durch. Ich studierte wieder praktisch, trat aus der Bank aus, ins Obergymnasium [in Prag] ein, das ich nach zwei schönen Jahren absolvierte, und zog dann zur Universität, nach Berlin, im Sommer 1887. Zwei Jahre später, natürlich noch als »Student« hab' ich geheiratet."
in einem weiteren Brief an De Lorenzo 1899 über sein Bekanntwerden mit dem Buddhismus:
"Aus Spence Hardys Eastern Monachism habe ich im Frühling 1884 zum ersten Male den Buddhismus kennen gelernt, auf Schopenhauers Empfehlung hin."
Quelle:
http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud0303.htm#11.4.
Grundsätzlich ist es immer problematisch, einen Text oder auch nur Begriffe einer Sprache, die einen anderen kulturellen Hintergrund hat als die Muttersprache, zu übersetzen. So mag es sein, daß bei der wörtlichen Übersetzung eines Begriffes unterschiedliche Assoziationen entstehen, obgleich der Begriff korrekt übersetzt ist.
So kann man auch feststellen, daß es unterschiedliche Auffassungen zu der Form der Übersetzungen K. E. Neumanns gibt, jene, die seine Sprache mögen und jene, für die sich kein Zugang erschließt. Die Herangehensweisen und Vorlieben in der Beschäftigung mit den verschiedensten Themen sind so verschieden, wie die Menschen selbst, es könnte gar nicht anders sein. Siehe M. 31. (IV,1).
Im nachfolgenden Link findet sich ein sehr aufschlußreicher Artikel von Dr. Hellmuth Hecker, erschienen in „Die Einsicht“ 1955.
http://www.buddhavacana.de/mb/permalink ... d-KEN.htmlMit Metta
Karuna _/\_